Konsequente Bewässerungsentscheidungen für eine einheitliche Kultur 

Gartenbau | Bewässerung und Fertigation

21 Juli 2026

Einleitung

Ein Produzent geht durch seine Gewächshauskulturen und erkennt sofort, wie sich diese entwickeln: ob sie sich noch in der vegetativen Phase befinden oder schon bald verkaufsfertig sind. Die Abteilungen, die schneller oder langsamer vorankommen, fallen sofort auf. Unterschiede in Wachstumsgeschwindigkeit, Farbe oder Pflanzenvitalität sind schnell erkennbar. Dieser erste Blick gibt die Richtung vor, denn er zeigt, wie sich zurückliegende Entscheidungen in der Kulturführung heute im Pflanzenbestand widerspiegeln. 

Konsequente Bewässerung als Grundlage für einen gleichmäßigen Pflanzenbestand 

Einer der entscheidenden Faktoren für eine einheitliche Kultur ist eine präzise und konsequent umgesetzte Fertigation (Bewässerungsdüngung). Die Erzeuger arbeiten dabei mit Zielwerten für Nährstoffmenge, EC-Wert und Fertigationszeitpunkt, die in der täglichen Praxis den aktuellen Bedingungen und den vorliegenden Erfahrungswerten angepasst werden. Für die Kultur ist jedoch nicht eine einzelne Anpassung ausschlaggebend, sondern ob sämtliche Entscheidungen Tag für Tag auf derselben Bezugsgrundlage beruhen. 

In vielen Gewächshausbetrieben beginnt die Fertigation anhand vordefinierter Einstellungen, beispielsweise über eine Zeitschaltung. Hierfür werden Zielwerte festgelegt, und deren konsequente Einhaltung ist dabei von zentraler Bedeutung. Erfolgen Anpassungen losgelöst von der ursprünglichen Strategie, entwickeln sich Entscheidungen zunehmend zu isolierten Maßnahmen, die nicht mehr Teil einer abgestimmten Fertigationsstrategie sind. 

Tipps für effizientes Wassermanagement im Gewächshaus

Optimaler Wasserkreislauf im Gewächshaus: Geringere Verluste, bessere Wasserqualität und gesündere Pflanzen.

GRATIS Whitepaper herunterladen →

Manuels Beobachtungen in der Praxis  

Manuel Madani, Key Account Manager bei Priva, steht in Kontakt mit Produzenten in ganz Südostasien, wo Pflanzen unter tropischen Klimabedingungen kultiviert werden. Hier übt die Präzision der Fertigation eine unmittelbare Wirkung auf den Nährstoffbedarf der Pflanzen sowie auf deren Entwicklung aus. Nährstoff- und Wassermanagement sind das wichtigste Steuerungsinstrument für meine Region. 

Viele Erzeugerbetriebe stellen nach der Etablierung einer Präzisionsbewässerung auf Hydroponik- oder Substratsysteme, um die Bedingungen im Wurzelraum der Pflanzen besser steuern zu können. Das beste Verfahren in der Praxis orientiert sich an den aktuellen Lichtniveaus oder der zu erwarteten Pflanzentranspiration. Dazu messen die Produzenten die Substratfeuchte, das Drainagevolumen, die EC- und pH-Werte, um das korrekte Ausmaß der Pflanzentranspiration zu ermitteln.  

 „In diesem Teil der Welt entscheidet die Fertigation über die Produktqualität“, erläutert Manuel. „Wenn die Möglichkeiten der Klimasteuerung begrenzt sind, wird die Wurzelzone zum eigentlichen Steuerungsinstrument.“ 

Der Unterschied zwischen einer durchschnittlichen und einer starken Produktionsleistung liegt häufig darin, wie präzise Produzenten die Fertigation auf den tatsächlichen Bedarf der Pflanzen abstimmen. Bereits geringe Abweichungen beim Bewässerungszeitpunkt oder beim EC-Wert machen sich bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit (rF) sehr schnell bemerkbar. 

Ein globales Muster, das Ivan feststellt

Als Produktmanager für Priva Compass befasst sich Ivan Fluit mit Anbaubetrieben auf der ganzen Welt. Über Regionen und Kulturen hinweg stellt er fest, dass sich das Ausmaß der Klimasteuerung in den Anbaugebieten weltweit zwar erheblich unterscheidet, die Abhängigkeit von einer präzisen Fertigation jedoch überall gleich ist. 

Betriebe, die mit klar definierten Sollwerten für EC-Wert, Drainage und Bewässerungsmenge arbeiten, können die Aktivität des Wurzelsystems wesentlich präziser steuern, da sie verstehen, wie jeder einzelne Faktor die Nährstoffaufnahme und das physiologische Gleichgewicht der Pflanze beeinflusst. Sind diese Zielwerte unklar oder werden nicht konsequent eingehalten, hängt der Kulturerfolg stärker von individuellen Einschätzungen ab. Dadurch steigt das Risiko, reaktive Entscheidungen zu treffen, statt die Kulturen kontrolliert zu steuern. 

„Wenn die Fertigation gemessen und als Referenzwert herangezogen wird, können die Produzenten erkennen, wo sich die Pflanze innerhalb ihres Transpirationszyklus befindet“, erklärt Ivan. „Dadurch lassen sich der Zeitpunkt und die EC-Anpassungen weitaus gezielter festlegen.“ Ivan befasst sich mit Fertigationspraktiken auf der ganzen Welt. Über Regionen und Kulturen hinweg beobachtet er dasselbe Muster. 

Viele Betriebe definieren zu Beginn der Kultur klare Zielwerte, doch mit fortschreitender Saison treten diese in den Hintergrund. Es werden Anpassungen vorgenommen, doch diese lassen sich nicht immer auf den gemeinsamen, stabilen Ausgangspunkt der Basisstrategie zurückführen. Dadurch lässt sich nur schwer nachvollziehen, ob die erzielten Ergebnisse tatsächlich auf den ursprünglichen Annahmen beruhen. 

„Sobald die Zielwerte nicht mehr als klare Bezugspunkte dienen“, erklärt Ivan, „verliert man die Möglichkeit zu beurteilen, ob die eigenen Anpassungen die Bewässerungsstrategie tatsächlich stärken oder sie schleichend in eine andere Richtung lenken.“ 

Wasserqualität

Wasserqualität ist kein Randthema. Sie bildet die Grundlage jeder Fertigationsstrategie. 

In vielen Regionen wird die Verfügbarkeit von ausreichendem und sauberem Wasser immer ungewisser. Wird Drainagewasser wiederverwendet oder das Grundwasser genutzt, können sich im Laufe der Zeit Salze anreichern. Dies beeinflusst unmittelbar die Wirksamkeit der eingesetzten Nährstofflösung. Die in der Theorie berechnete Rezeptur entspricht dann nicht zwangsläufig der Nährstoffzusammensetzung, die tatsächlich die Wurzeln erreicht. 

Überschüssige Salze oder unerwünschte Inhaltsstoffe können die Nährstoffaufnahme stören, die Lebensdauer von Systemkomponenten verkürzen und das Risiko für Pflanzenkrankheiten erhöhen. Selbst kleinere Abweichungen können sich unbemerkt zu größeren Problemen summieren. 

Sind Wasserqualität und -versorgung jedoch unter Kontrolle, verhalten sich die Nährstofflösungsrezepturen wie vorgesehen. Ihre Zielvorgaben behalten ihre Aussagekraft und Ihr Bewässerungssystem unterstützt Ihre Ziele, statt gegen Sie zu arbeiten. 

So steigern Sie Ihren Ertrag 

Produzenten suchen keine starren Systeme oder festgelegten Rezepturen für Bewässerung und Nährstoffzufuhr. Sie wollen ihre Bewässerung an den sich ständig ändernden Bedarf der Pflanzen anpassen. Gesucht wird eine Lösung, die auf Erfahrung aufbaut und gleichzeitig sicherstellt, dass Entscheidungen langfristig einer abgestimmten Strategie folgen. 

Gerade in Regionen, in denen Wasser und Nährstoffe unter zunehmendem Druck stehen, trägt diese konsequente Ausrichtung dazu bei, schleichende Strategieabweichungen zu vermeiden und eine vorhersehbare Pflanzenentwicklung zu fördern. 

Reihen von Erdbeerpflanzen im Folientunnel für effizienten Anbau und nachhaltige Obstproduktion

Schritt für Schritt verbessern 

Für viele Erzeugerbetriebe ist der erste Schritt nicht eine umfassende Automatisierung. Vielmehr geht es zunächst darum, Düngermischungen strukturiert und reproduzierbar zu herzustellen. 

NutriOne bildet häufig genau diesen Einstieg. Mit bis zu fünf Dosierkanälen lässt sich eine Rezeptur festlegen und konsistent anwenden. Das reduziert bereits die täglichen Schwankungen und sorgt für mehr Stabilität bei den EC- und pH-Werten. 

Wenn Sie mehr Flexibilität benötigen, bietet NutriJet die zusätzliche Kapazität und schnelle Wechsel zwischen den Rezepturen. Sie können die Strategien je nach Kulturphase anpassen und dabei mit präzisen Mischungen arbeiten. Die ursprünglich geplante Nährstoffrezeptur entspricht damit genau der Lösung, die den Pflanzen tatsächlich zugeführt wird. 

Sobald die Dosierung stabil ist, besteht der nächste Schritt darin, die Strategie über einen längeren Zeitraum konsequent umzusetzen. Priva Compass liefert hierfür die entsprechende Orientierungsgrundlage als Referenz. Das System verknüpft die Bewässerung mit Zielwerten und Klimadaten, sodass Abweichungen von Ihrer Strategie frühzeitig erkannt und gleich korrigiert werden können. 

Darauf aufbauend integriert NutriOne Bewässerung, Fertigation und klimabezogene Wassersteuerung in einem System. Rezepturen und Bewässerungszeitpunkte werden mit den tatsächlichen Bedingungen im Gewächshaus oder im Freiland verknüpft. So können Sie Ihre Bewässerungsstrategie auch unter wechselnden Bedingungen konsistent durchführen. Für NutriOne-Nutzer und Partner stehen spezielle Schulungsmodule der Priva Academy zur Verfügung, die sich gezielt auf den Tagesbetrieb und die praktische Anwendung konzentrieren. 

Schritt für Schritt entwickelt sich Ihre Fertigation von der einfachen Ausbringung von Nährstoffen hin zu einer gezielten Steuerung der Kultur. 

Optional: Zusätzliche Einblicke durch Sensoren

Einige Erzeugerbetriebe setzen Sensoren ein, um zusätzliche Einblicke zu gewinnen. Sämtliche Sensoren können in Priva Compass eingebunden und als Teil Ihrer Bewässerungsstrategie genutzt werden. 

Sie können Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit (rF), Substratfeuchte und andere pflanzenbezogene Bedingungen messen. Als sinnvoller Ausgangspunkt haben sich Messungen der Lichtintensität und der Substratfeuchte erwiesen. Diese Messwerte können als Rückmeldung für die Bewässerungssteuerung genutzt werden – entweder kabellos über Aranet-Sensoren oder über bereits vorhandene verkabelte Sensoren, die in das System integriert sind. 

Dadurch erhalten Sie eindeutigere Referenzwerte und können Ihre täglichen Entscheidungen rund um die Bewässerung besser auf Ihre vorgesehene Kulturstrategie abstimmen.

Praxisbeispiel: Pflanzenstress messen statt vermuten

Bei Bark Hut Berries in Coffs Harbour, Australien, wollte der Produzent nachvollziehen können, wie die Kultur auf die sich schnell ändernden Bedingungen des Küstenklimas reagiert. Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit (rF) standen zwar als Messgrößen zur Verfügung, sie spiegelten jedoch bei plötzlichen Wetterumschwüngen nicht immer die tatsächliche Situation im Pflanzenbestand wider. 

Durch die Kombination von Sensoren mit einem kabellosen Infrarot-Blatttemperatursensor integrierte das Team die Messgröße des VPD (Vapour Pressure Deficit, Dampfdruckdefizit) als zusätzlichen Referenzwert in Priva Compass. Der VPD-Wert beschreibt, wie leicht eine Pflanze Wasser über ihre Blätter abgeben kann, und liefert Hinweise darauf, wann die Pflanze aus ihrem angestrebten physiologischen Gleichgewicht gerät. 

Anstatt auf sichtbare Unterschiede beim Wachstum oder im Gleichgewicht zu warten, konnte der Produzent nun bereits frühzeitig am Tag Veränderungen beim Pflanzenstress erkennen. Bewässerungszeitpunkt und Klimaeinstellungen wurden angepasst, solange der Zustand der Kultur noch stabil war – und nicht erst, nachdem ein sichtbares Ungleichgewicht entstanden war. 

Cheyne Clarke, Inhaber von Bark Hut Berries, beschreibt: 
„Ich habe so die Möglichkeit, Stress sofort zu erkennen und kann gegensteuern, bevor die Pflanze sichtbare Symptome zeigt.“ 

Für diesen Produzenten lag der Mehrwert nicht in einer umfangreicheren Datenerfassung. Entscheidend war vielmehr die Orientierungshilfe durch eine Referenzgröße, die konsistente Entscheidungen im täglichen Betrieb unterstützt. Diese Referenz trug außerdem dazu bei, Bewässerungs- und Klimaanpassungen an der Gesamtstrategie der Kultur auszurichten. 

Von der Routine zur Sicherheit 

Werden Zielwerte der Fertigation konsequent als Referenz genutzt, entwickeln sich alle Entscheidungen im Tagesbetrieb in dieselbe Richtung. Schwankungen in der Kultur nehmen ab und die Pflanzenbestände entwickeln sich gleichmäßiger. 

Dabei schlägt man diese Richtung nicht ein, indem man mehr tut. Entscheidend ist, dass jede einzelne Entscheidung dieselbe Strategie unterstützt. 

Mehr über Bewässerung und Fertigation erfahren

Flowers 3 Scaled
Hochwertigere Qualität durch bessere Klimasteuerung: Dutch Heritage
  • Dutch Heritage
  • 2026
Hollandia
Präzision in jeder Blüte: Die Hollandia-Story
  • Hollandia Gewächshäuser
  • 2026
Kontakt

Wünschen Sie weitere Informationen? Wir helfen Ihnen gerne weiter!

Peter Könemann

Manager Sales Horticulture Europe

Peter Könemann